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Letzte Aktualisierung: 29. 5. 2009 |
Darmann - Maler
Als Maler ist der Niklasdorfer Gottfried Darmann vor allem bekannt geworden
durch seine großformatigen Acrylbilder, die er fast ausschließlich auf Depron malt.
Redaktion: Herr Darmann, war Ihnen die Malerei in die Wiege gelegt?
Darmann:
Überhaupt nicht. In der Schule habe ich die Patzerei mit den
Wasserfarben eher gehasst. Heute erkläre ich mir das so: Unsere Lehrer
haben uns eigentlich kaum etwas über Kunst und Maltechnik gezeigt.
Die Farben und Pinsel waren nichts wert. Das Papier hat sich gewellt.
Was das Zeichnen betrifft, sind mir auch erst die Augen aufgegangen,
als ich einmal im Alten Gymnasium Leoben in eine höhere Klasse geguckt habe.
Phantastische Portraitzeichnungen in Bleistift hab ich dort gesehen.
Ja, so konnte ich mir Zeichnen vorstellen.
Redaktion: Dann haben sie begonnen, sich für Kunst zu interessieren?
Darmann:
Eigentlich erst viel später. Ich hab immer wieder in Buchläden gestöbert. Da
sind mit Bücher über Popart untergekommen. Das hat mich angesprochen.
Mel Ramos und vor allem Roy Lichtenstein haben mich beeindruckt. Später hab ich
mich intensiv mit dem Impressionismus befasst, insbesondere mit Claude Monet.
Immer wieder waren es Bücher, auch über Zeichnen- und Maltechniken.
Redaktion: Was war der Auslöser, dass sie selbst künstlerisch aktiv geworden sind?
Darmann:
Es war eine Ausstellung in Wien mit Grafiken aus der Zeit der Secession und des Jugendstil.
Eher zufällig bin ich dort gelandet.
Gustav Klimt und seine Kollegen haben hervorragende Zeichnungen und Grafiken produziert.
Besonders fasziniert haben mich die handgezeichneten Postkarten von Koloman Moser,
aber auch die Holzschnitte von Carl Moll.
Diese Künstlergruppe der Wiener Secessionisten war insbesondere für ihre
Zeitschrift "Ver Sacrum" sehr produktiv und kreativ. Den Titel "Ver Sacrum" hab ich
schließlich auch für eine meiner Ausstellungen gewählt.
Die Grafik-Ausstellung der Wiener Sesessionisten hab ich zweimal besucht.
Den Ausstellungkatalog hab ich mir allerdings nie gekauft.
Die Reproduktionen des Kataloges waren von den Originalen viel zu weit entfert.
Der Katalog war Hochglanz. Die Originale hatten mit Hochglanz nichts zu tun.
Redaktion: Mit welchen Techniken haben Sie begonnen?
Darmann:
Begonnen hat es mit Aquarellmalerei. Allein die Farbnäpfchen haben mich
schon fasziniert. Ja, das war hochwertige Farbe. So konnte ich mir das vorstellen.
Redaktion: Bekannt geworden sind sie mit ihren Depron-Bildern. Wie sind sie eigentlich
darauf gekommmen, diesen Schaumstoff zum Malen zu verwenden?
Darmann:
Großflächigen Scherenschnitte, wie Henri Matisse, wollte ich ausprobieren.
Dazu musste man Papier oder Karton zuerst einheitlich anmalen.
Wieder wellte sich der Malgrund, wie schon in der Volkschule.
Ich hatte es satt mit minderwertigem Material zu arbeiten und machte mich
auf die Suche. Dabei stieß ich im Baumarkt auf Depron, einen feinporigen
Polystyrol-Schaumstoff, den es in hauchdünnen Platten zu kaufen gab:
nur 3 (bzw. 6) Millimeter stark. Vorgesehen waren sie
als Untertapete zum Zwecke der Wäremdämmung.
Ausprobiert und siehe da, sie blieben plan liegen. Nichts wellte sich hier.
Man konnte sie mit einem scharfen Messer oder einem heißen Draht perfekt schneiden.
Sie waren also ideal für solche Scherenschnitte.
Was mich besonders überraschte war, wie gut man darauf mit Acrylfarbe
malen konnten. Damit war Leinwand uninteressant geworden.
Depron ist weiß, etwas tansparent und feinporig. Nicht einmal Grundieren war mehr erforderlich.
Der ideale Malgrund, übrigens auch für Öl. Dazu kamen das geringe Gewicht und der extrem geringe
Platzbedarf auf Grund der minimalen Dicke.
Anfangs hab ich das Depron im Baumarkt bezogen, bald im Großhandel und schließlich
direkt ab Werk aus Holland. Mindestabnahmemenge: 1000 Quadratmeter. Das braucht auch bei einer Stärke
von nur 6 mm einiges an Platz.
Ich war sehr produktiv und machte damals viele Ausstellungen.
Redaktion: Und heute?
Darmann:
Zur Zeit liegt der Schwerpunkt beim Aufbau meiner Webdesign-Firma. Aber ich kann
mir gut vorstellen, auch beim Malen wieder produktiver zu werden. Es war eine tolle
Zeit und hat echt Spaß gemacht.
Gezeichnet wird aber auch jetzt immer wieder. Damit kann man gut das Auge schulen -
an jedem beliebigen Ort: Im Zoo, am Strand, am Straßenrand, im Zug und im Auto - im Auto
natürlich nur wenn ich nicht selbst fahre.
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